PETSPECTIVE Messestand mit Fotozelt und Glastisch unter einer alten Balkendecke auf Schloss Oelber
    Hunde von unten

    Ein Schloss, ein Glastisch und eine Hündin, bei der lange nicht klar war, ob sie überhaupt mitmacht

    3. September 2026
    ca. 9 Min.

    Am 29. und 30. August war ich mit der Glasplatte auf Schloss Oelber am weißen Wege. Die Messe "Mein Hund" findet dort in einem echten Schloss statt, und ich sage euch gleich vorweg: Von allen Orten, an denen ich dieses Jahr stand, war das der schönste.

    Ich stehe auf Mittelalter. Ich bin gern auf Mittelaltermärkten, ich mag alte Gemäuer, ich mag es, wenn ein Gebäude schon ein paar hundert Jahre zugesehen hat. Und dann stand mein Zelt unter einer Balkendecke, die älter ist als so ziemlich alles, was ich sonst kenne, auf einem Holzboden, der jeden Schritt kommentiert, vor einer roten Wand. Ich habe mich den ganzen Aufbau lang gefreut wie ein Kind.

    Zwei Tage lang stand ich also in einem Schloss neben meiner Glasplatte und habe durch sie hindurch nach oben fotografiert. Ein Hund nach dem anderen, dazu die Spontanen, die einfach vorbeikamen und sich dachten, das probieren wir jetzt. Und auffällig viele Jagdhunde, aber dazu später mehr.

    Pria: der Knoten, der geplatzt ist

    Mischlingshündin Pria von unten durch eine Glasplatte fotografiert, ausgestreckt, eine Pfote in der Luft

    Pria ist eine Mischlingshündin, zehneinhalb Jahre alt, 23 Kilo. Als sie ankam, war überhaupt nicht klar, ob das etwas wird. Sie hatte Angst, und genau das war das Thema: Schafft sie das überhaupt? Ihre Halterin, das kenne ich gut, hatte im Kopf schon abgehakt: Das wird nichts.

    Also haben wir uns Zeit gelassen. Kein Drängeln, kein "jetzt aber". Auf die Glasplatte haben wir sie gemeinsam gehoben, und dann durfte sie erst einmal ankommen: schauen, schnüffeln, überlegen. Wir sind alle ruhig geblieben, ihre Halterin und ich, und irgendwann ist der Groschen gefallen. Man sieht so einen Moment richtig. Der Hund merkt, dass hier nichts Schlimmes passiert, dass niemand etwas von ihm will, was er nicht geben mag, und dann macht es Klick.

    Danach hatte sie Spaß. Nicht "sie hat es ausgehalten", sondern Spaß. Pria nimmt sonst kaum Leckerlis, und plötzlich hat sie welche genommen und sie mit sichtlichem Vergnügen von der Scheibe aufgesammelt. Genau dabei ist dieses Bild entstanden.

    Das erlebe ich ständig, und es ist der Teil meiner Arbeit, den ich am meisten mag. Die Halterin war danach unfassbar stolz auf ihren Hund. Der Hund hat etwas gelernt, das ihm auch beim Tierarzt und beim nächsten neuen Untergrund hilft. Und ich durfte beide glücklich machen.

    Deshalb dieser eine Satz, wenn du sonst nichts aus diesem Text mitnimmst: Traut euch. Probiert es aus. Nicht wegen der Bilder, sondern weil genau das Bindungsarbeit ist. Zeit mit deinem Hund verbringen, in der ihr gemeinsam etwas Neues schafft, ist mehr wert als jedes Foto, das dabei entsteht.

    Fiete, Deutsch Drahthaar, 35 Kilo gute Laune

    Deutsch Drahthaar Fiete von unten fotografiert, große Pfoten und struppiger Bart auf dem Glas

    Fiete ist fünf Jahre alt und wiegt 35 Kilo. Und er ist genau das, was Leute meinen, wenn sie sagen, Drahthaare seien "ein bisschen verrückt".

    Der Deutsch Drahthaar ist ein Vollgebrauchshund. Die Rasse wurde ab Ende des 19. Jahrhunderts gezielt für Jäger gezüchtet, die einen Hund für alles wollten: suchen, vorstehen, apportieren, im Wasser arbeiten, nach dem Schuss die Spur halten. Dazu ein Fell, das ihn im Dornengestrüpp und im kalten Wasser schützt, deshalb das harte Drahthaar mit dichter Unterwolle, dem Bart und den buschigen Augenbrauen.

    Was dabei herauskommt, ist ein Hund mit einem enormen Motor und dem festen Willen, mitzudenken. Das ist kein Hund, der auf dem Sofa verwaltet werden möchte. Wer einen Drahthaar hat, weiß, wovon ich rede, und liebt ihn vermutlich genau dafür. Von unten sieht man diesen Charakter überraschend gut. Die Pfoten sind riesig, das Fell steht in alle Richtungen, der Bart schiebt sich über die Glasplatte, und mittendrin ein Gesicht, das ganz genau weiß, dass hier gleich noch ein Leckerli fällt.

    Überhaupt: die Jagdhunde

    Auf Schloss Oelber waren auffällig viele Jagdhunde unterwegs, und zwar auch welche, die man sonst kaum zu Gesicht bekommt. Neben Fiete, dem Deutsch Drahthaar, lief mir ein Australian Terrier über den Weg und, mein persönliches Highlight, ein Großer Münsterländer.

    Den sieht man wirklich selten. In ganz Deutschland kommen im Jahr nur ein paar hundert Welpen dieser Rasse zur Welt, und die meisten davon gehen an Jäger, weil der Große Münsterländer ein reiner Arbeitshund geblieben ist. Ein Vorstehhund, schwarz-weiß gescheckt, groß und ruhig.

    Suki, Englischer Cocker Spaniel

    Englischer Cocker Spaniel Suki von unten fotografiert, die langen Ohren nach beiden Seiten ausgebreitet

    Siebeneinhalb Jahre, 18,4 Kilo, und diese Ohren. Der Englische Cocker Spaniel ist ebenfalls ein Jagdhund, gezüchtet fürs Stöbern im Dickicht, und die langen Behänge haben dabei eine Aufgabe: Sie wirbeln beim Suchen Duftpartikel auf und schieben sie Richtung Nase.

    Auf dem Glas legen sich diese Ohren nach beiden Seiten weg, und bei mir heißen sie deshalb Flugohren. Fächer wäre die vornehmere Beschreibung, Flugohren trifft es besser, weil es einfach lustiger aussieht. Von oben sieht man das nie so.

    Mailo, elf Monate alt

    Mini Australian Shepherd Mailo von unten fotografiert, alle vier Pfoten gespreizt auf der Glasplatte

    Mailo ist ein Mini Australian Shepherd, 22 Kilo, und noch keine elf Monate alt. Offiziell heißt die Rasse Miniature American Shepherd, gezüchtet wurde sie in Kalifornien aus kleinen Australian Shepherds, und erst seit gut zehn Jahren gilt sie als eigenständig. Geblieben ist der Kopf eines Hütehundes in einem kleineren Körper: Der will eine Aufgabe, und zwar am liebsten sofort.

    Bei einem Junghund in dem Alter geht es nicht darum, dass er still steht. Es geht darum, den einen Moment zu erwischen, in dem alle vier Pfoten gleichzeitig auf dem Glas sind und der Kopf nicht schon wieder woanders ist. Bei Mailo hat es geklappt: alle Pfoten gespreizt, Blick nach unten, der Rest von ihm noch in Bewegung.

    Diego, drei Kilo Fellwolke

    Langhaar-Chihuahua Diego von unten fotografiert, cremeweißes Fell auf dem Glas

    Chihuahua, drei Jahre, drei Kilo. Langhaar, cremeweiß, und auf der Glasplatte wirkt er ungefähr dreimal so groß wie im Arm seines Menschen.

    Das ist einer der Gründe, warum ich diese Perspektive so mag. Kleine Hunde werden im Alltag ständig von oben gesehen, aus anderthalb Metern Höhe, und wirken dadurch automatisch niedlich und klein. Von unten fällt diese Höhe weg. Da ist einfach ein Hund mit ausgebreiteten Pfoten, und er nimmt genauso viel Raum ein wie jeder andere.

    Fräulein Vilma

    Bulldogge Fräulein Vilma von unten fotografiert, Falten und Pfotenballen auf der Glasplatte

    Bulldogge, drei Jahre, 29 Kilo.

    Was man auf dem Bild wunderbar sieht: die Falten. Bei einem Hund mit lockerer Haut verteilt sich von unten alles anders, das Gewicht liegt auf dem Glas, die Haut legt sich in Wellen, und die Pfoten drücken sich flach. Dazu ein Gesicht, das aussieht, als hätte sie gerade eine sehr grundsätzliche Frage.

    Mali, Labrador wie er leibt und lebt

    Labradorhündin Mali von unten fotografiert, Zunge heraus, Pfoten in alle Richtungen

    Dreieinhalb Jahre, 30 Kilo, Labradorhündin. Und ein Lehrbuchbeispiel für das, was in einem Labradorkopf so vor sich geht.

    Schau dir das Bild in Ruhe an. Die Vorderpfote zeigt nach oben, die Hinterbeine zeigen woanders hin, der Kopf ist wieder in einer dritten Richtung unterwegs, und der Blick liegt auf etwas, das gar nicht im Bild ist. In diesem Kopf fliegen bunte Murmeln durch die Gegend, und mindestens eine davon blinkt dauerhaft "Futter".

    Genau das passiert nämlich, wenn es ums Essen geht: Labradore werden komplett gaga. Andere Hunde konzentrieren sich, ein Labrador löst sich in seine Einzelteile auf. Die Zunge hängt raus, alle Extremitäten machen ihr eigenes Ding, und genau deshalb ist das eines meiner Lieblingsbilder vom ganzen Wochenende. Kein bisschen erhaben, dafür hundertprozentig sie selbst.

    Und dann waren da noch wir zwei

    Fotografin Sandy Löwe neben der Glasplatte, darüber ihre Hündin Hinata von unten fotografiert
    Lars neben der Glasplatte, darüber sein Hund Lasko von unten fotografiert

    Weil wir es können und weil so ein Schloss dafür der perfekte Ort ist, haben Lars und ich unsere eigenen Hunde auf die Glasplatte gestellt und uns danebengestellt. Die Hunde oben auf dem Glas, wir zwei daneben, die Kamera unter der Scheibe.

    Das ist der Punkt, den viele nicht wissen: Du kannst mit aufs Bild. Du musst dafür nirgendwo hochklettern. Du stehst neben der Glasplatte und schaust von der Seite mit ins Bild, dein Hund steht oben, und heraus kommt ein Foto, auf dem ihr beide seid.

    Wenn du also überlegst, ob so ein Shooting nur etwas für den Hund allein ist: nein. Sag es mir einfach vor Ort, dann machen wir das.

    Warum ich wiederkomme

    Die Messe "Mein Hund" auf Schloss Oelber ist klein genug, dass es nicht hektisch wird, und schön genug, dass man den ganzen Tag gute Laune hat. Die Veranstalter haben eine eigene Seite zur Veranstaltung, dort findest du die nächsten Termine:

    Und die gute Nachricht für alle, die dieses Jahr nicht da waren: Schreib dir schon mal zwei Termine in den Kalender.

    Am 3. und 4. April 2027 bin ich mit der "Mein Hund" in Mönchengladbach in der NEW Box. Und am 28. und 29. August 2027 stehe ich wieder auf Schloss Oelber. Gleicher Ort, gleiche Zeit, gleiches Ambiente, und wieder richtig gute Bilder von deinem Hund.

    Alle Termine für 2027 stehen auf petspective.de/termine und sind ab sofort buchbar.

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