Baba, gerade mal vier Monate jung, ein Bracco Italiano.
Über 31.000 Hunde. Mehr als 70 Länder. 374 Rassen unter einem Dach. Anfang Juni stand ich mit meiner Glasplatte auf der World Dog Show 2026 in Bologna, der Weltausstellung der FCI – und es war erst meine zweite internationale Messe. Allein das fühlt sich noch immer ein bisschen unwirklich an.
Ich durfte einen kleinen Querschnitt dieser unfassbaren Vielfalt von unten fotografieren. Von Rassen, die du im Alltag nie zu Gesicht bekommst, bis zu echten Raritäten. Schau mal mit, wer da alles auf der Scheibe stand.
Fangen wir süß an – Baba, der Bracco-Welpe
Mit vier Monaten schon ein kleiner Profi auf der Glasplatte.
Mit Baba fing für mich alles ganz weich an. Gerade mal vier Monate jung, ein Bracco Italiano, und schon so entspannt auf der Scheibe, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Der Bracco ist einer der ältesten Vorstehhunde Europas – früher ein adliger Jagdhund, heute ein echter „Velcro-Hund", der sich am liebsten klettenartig an seine Menschen heftet. Diese Mischung aus Welpenmolligkeit und großen Schlappohren, von unten gesehen? Unwiderstehlich.
Moment, ist das ein Hund?
Kommen wir zu dem Kandidaten, der für die meisten Doppelblicke gesorgt hat. Das war nämlich gar kein Hund aus Fleisch und Blut, sondern aus Schrauben und Servomotoren.
Hund? Roboter! Von unten sieht man jedes Gelenk.
Er gehörte zum Stand einer Spürhund- und Rettungsstaffel. Solche Roboterhunde helfen heute, in gefährlichem oder unzugänglichem Gelände zu suchen – dort, wo man weder Mensch noch echten Hund hinschicken möchte. Und ehrlich: Auch ihm sieht man die eine oder andere Macke schon an. Hund bleibt eben Hund, ob lebendig oder Maschine.
Kai Ken – mein heimlicher Favorit
Der „Tiger-Hund" Japans – die Stromung sieht man von unten besonders schön.
Der Kai Ken ist eine der seltensten und ursprünglichsten Rassen Japans, 1934 sogar zum Naturdenkmal erklärt. Sein Beiname ist „Tora Inu", Tiger-Hund, wegen der gestromten Zeichnung, die sich erst über Jahre voll entwickelt. Ich hatte inzwischen fast alle japanischen Spitze auf der Platte – Shiba, Kishu, Kai, Shikoku, Akita. Nur der Hokkaido fehlt mir noch. Einen hatte ich da, aber der Kleine hatte zu viel Angst. Das ist bei den Japanern ganz normal: Diese ursprünglichen Jagd- und Wachhunde sind Fremden gegenüber von Natur aus zurückhaltend. Kein Erziehungsfehler, sondern Charakter.
Über 2.000 Jahre auf einer Scheibe – der Chongqing
Sun Quan, ein Chongqing Dog – Zunge raus, fast nackt, eine lebende Antiquität.
Sun Quan gehört zu einer der ältesten Hunderassen der Welt. Die Wurzeln des Chongqing reichen bis zur Han-Dynastie zurück, also über 2.000 Jahre. Mitte des 20. Jahrhunderts war die Rasse fast ausgestorben und ist bis heute extrem selten. Zwei Dinge fallen von unten sofort auf: die fast nackte Haut, durch die das Schwarz durchschimmert, und die Zunge. Asiatische Rassen wie Chow-Chow und Shar-Pei tragen oft eine blau-schwarze Zunge – das kommt von zusätzlichem Pigment. Welpen werden übrigens noch mit rosa Zunge geboren.
Der Blick von Milla
Milla, Karelischer Bärenhund. Sie ist auf ein Leckerli getreten und starrt es einfach an – zu süß zum Wegretuschieren.
Bei Milla habe ich das Leckerli ausnahmsweise nicht wegretuschiert (das mache ich sonst immer), weil dieser Blick einfach zu gut war. Der Karelische Bärenhund kommt aus Finnland und macht seinem Namen alle Ehre: Er wurde für die Großwildjagd gezüchtet, stellt in Finnland heute vor allem Elche – und war historisch mutig genug, sogar Bären und Wölfe zu stellen. Umso schöner, wie sanft Milla auf der Scheibe lag.
Nordische Liebe – der Lappländische Rentierhund
Jalmari, ein Lappländischer Rentierhund. Nordische Hunde haben es mir besonders angetan.
Ich liebe die nordischen Rassen, und Jalmari hat es mir sofort angetan. Der Lappländische Rentierhund (Lapponian Herder) wurde vom Volk der Samen in Nordfinnland zum Hüten von Rentieren gezüchtet – mit wetterfestem Stockhaar gegen Kälte und Nässe. So ein hübscher Junge.
Ein Wikinger auf der Glasplatte – der Schwedische Vallhund
Nami, ein Schwedischer Vallhund. Klein, niedrig – und ein echter Wikinger.
Nami ist ein Schwedischer Vallhund mit Wikinger-Vergangenheit: Schon im 8./9. Jahrhundert trieb diese Rasse in Skandinavien Rinder. Spannend für alle Corgi-Fans: Vallhund und Corgi sind wahrscheinlich verwandt – die Wikinger brachten die Hunde zwischen Skandinavien und Wales hin und her.
Vertrauen von einer Wolfsnatur – der Saarloos
Selene, ein Saarloos Wolfhond in wolfbraun – diese Farbe kannte ich vorher gar nicht.
Selene hat mich gleich doppelt überrascht. Erstens kannte ich Saarloos Wolfhunde bisher nur in Wolfsgrau – ihr warmes Wolfbraun ist offiziell anerkannt, aber seltener zu sehen. Zweitens gelten diese Hunde, eine Kreuzung aus Deutschem Schäferhund und Wölfin, als sehr reserviert gegenüber Fremden. Selene hat mich trotzdem voll akzeptiert. Das ist alles andere als selbstverständlich und hat richtig Spaß gemacht.
American Cocker – Plüsch, so weit das Auge reicht
Thenali, American Cocker Spaniel – Riesenohren, viel Plüsch, kleiner Kopf.
Thenali ist ein American Cocker, und von unten zeigt sich erst richtig, wie viel Plüsch da an den Beinen hängt – dazu die langen, befederten Ohren und der kleine, feine Kopf. Wusstest du, dass der American Cocker der kleinste Hund der ganzen Jagdhund-Gruppe ist?
Edel bis in die Ohrenspitzen – der Toy Pudel
Emir, ein Toy Pudel – mit dem Blick und den Ohren einfach edel.
Emir ist ein Toy Pudel, die kleinste Pudelvarietät, und sieht von unten edel aus, fast wie gemalt. Pudel gehören außerdem zu den intelligentesten Hunden überhaupt – im berühmten Ranking direkt auf Platz zwei.
Die Schwarz-auf-Schwarz-Challenge – Scottish Terrier
Mia, Scottish Terrier. Ganz in Schwarz – und trotzdem sieht man die Augen.
Mia ist eine von gleich vier Scottish Terriern, die ich fotografieren durfte – coole Hunde! Ein ganz schwarzer Hund auf dunklem Hintergrund ist fototechnisch eine kleine Herausforderung. Umso gespannter war ich, ob man bei der typischen Strähne über den Augen überhaupt die Augen sieht. Spoiler: Wir haben sie gesehen. Schau selbst.
Zwei, die jubeln – die belgischen Griffons
Luise und Leopold – als hätten sie gerade ein Tor geschossen.
Luise und Leopold sind kleine belgische Griffons (genau genommen sind das sogar drei eng verwandte Rassen, je nach Fell und Farbe). Diesen markanten, fast menschlich wirkenden Kopf finde ich superspannend – und von unten sehen die beiden aus, als würden sie jubeln.
Weiß wie Porzellan – die Porcelaine
Orelle, eine Porcelaine – weiß wie Porzellan, und extra aus Russland angereist.
Orelle ist eine Porcelaine, eine der ältesten französischen Laufhundrassen, deren Spuren bis um 1600 zurückreichen. Ihren Namen verdankt sie dem glänzend weißen Fell, das an Porzellan erinnert. Während der Französischen Revolution war die Rasse fast ausgestorben und wurde später wiederbelebt. Dass Orelle extra aus Russland angereist ist, zeigt schön, was diese Messe ausmacht: Hier kommt wirklich die ganze Welt zusammen.
42 Kilo Kuschelbär – der Maremmano-Abruzzese
Jack, Maremmano-Abruzzese – 42 Kilo Herdenschutzhund, und total entspannt.
Jack ist ein echter italienischer Klassiker, ein Maremmano-Abruzzese – dabei aber aus Finnland angereist. Diese weißen Herdenschutzhunde bewachen seit über 2.000 Jahren Herden in Mittelitalien. Mit seinen 42 Kilo ist Jack ein ordentliches Kaliber, aber die Glasplatte war für den Kuschelbär überhaupt kein Thema.
Fröhlicher Abschluss – der Corgi
Sugar, ein Welsh Corgi Pembroke aus Kitzbühel – Corgis machen einfach immer Spaß.
Zum Schluss noch jemand, der gute Laune mitbringt: Sugar, ein Welsh Corgi Pembroke, extra aus Kitzbühel angereist. Corgis trieben früher Rinder durch Zwicken in die Fersen – und waren die Lieblingsrasse von Queen Elizabeth II. Sugar hat zu Hause angeblich noch 14 Mitbewohner. Vielleicht schaue ich da mal die ganze Bande an.
Und am Ende
Über 31.000 Hunde – und doch ist es immer derselbe Moment, der mich trägt: wenn das erste Bild auf dem Bildschirm erscheint und die Menschen ihren Hund zum ersten Mal so sehen. Halb Clown, halb Seelenverwandter. Genau dafür packe ich die Glasplatte ein, ob auf einer Weltausstellung in Bologna oder demnächst in meinem neuen Studio in Dresden.
Danke an alle, die mir ihren Hund für ein paar Sekunden auf der Scheibe geliehen haben. Ihr habt diesen Beitrag möglich gemacht.
Bis bald, irgendwo zwischen zwei Messen und meinem neuen Studio,
eure Sandy