Von Igel bis Vogelspinne – warum ich exotische Tiere von unten fotografiere
    Informatives

    Von Igel bis Vogelspinne – warum ich exotische Tiere von unten fotografiere

    1. Mai 2026
    ca. 7 Min.

    Hast du schonmal eine Vogelspinne von unten gesehen? Oder einen Skorpion? Eine Maus, deren winzige Tastballen so klar zu erkennen sind, dass du jeden einzelnen Knubbel zählen kannst?

    Ich hatte all das im letzten Jahr auf meiner Glasplatte – und muss dir ehrlich sagen: Ich bin jedes Mal aufs Neue verzaubert. Mein Nachname ist Löwe, mein Steckenpferd sind Hunde von unten, aber im Stillen wächst da was anderes. Eine Sammlung. Eine Reise durch die Artenvielfalt. Und ich glaube, es ist Zeit, dir davon zu erzählen.

    Vom dreibeinigen Igel im Juni 2023 bis heute hatten über 50 verschiedene Tierarten ihren großen Auftritt vor meiner Linse – und das ist nur der Anfang. Manche bekannt, manche überraschend, manche so klein, dass mein Objektiv fast streikte. Was sie alle eint: ein Blickwinkel, den selbst Biologie-Lehrbücher kaum zeigen.

    In diesem Artikel nehme ich dich mit. Wir starten ganz am Anfang.

    Wo alles anfing – ein dreibeiniger Igel

    Dreibeiniger Igel von unten fotografiert – Stachelnasen Zwickauer Land

    Mein erster Exot überhaupt – ein Igel von den Stachelnasen Zwickauer Land. Ohne ihn wäre diese Reise nie losgegangen.

    Im Juni 2023 lag der erste Igel auf meiner Glasplatte. Wenn du genau hinschaust, fehlt ihm ein Hinterbein. Er war als verletztes Wildtier aufgefunden worden, das Bein konnte nicht gerettet werden. Heute lebt er gut versorgt bei den lieben Menschen der Stachelnasen Zwickauer Land – einem Verein, der sich mit großer Hingabe um verletzte Igel kümmert. Operiert hat ihn die liebe Nicole Schreiter vom Tiergesundheitszentrum Lichtenau, eine Tierärztin, mit der mich seit Jahren eine wunderschöne Freundschaft verbindet.

    Eigentlich hatte ich Nicole nur gefragt, ob sie spannende Hunde in ihrer Kundschaft kennt. Ihre Antwort: „So ein Igel von unten wär doch sicher auch cool." Sie nahm sofort Kontakt zu Angela von den Stachelnasen auf – und der Rest, wie man so schön sagt, ist Geschichte.

    Was ich damals beim Blick auf meinen Bildschirm dachte? „Oh. Den hat noch nie jemand so gesehen." Das war der Moment, in dem mir klar wurde: Hier öffnet sich eine ganze Welt.

    Was ich in diesen Bildern sehe

    Hunde von unten sind witzig. Süß. Manchmal zum Brüllen. Bei den Hunden geht es um Charakter, um Interaktion, um diesen einen unverschämten Blick, mit dem sie auf der Glasplatte stehen, als wäre das schon immer so gewesen.

    Bei den Exoten ist das anders. Da geht es viel mehr um Aufklärung und Dokumentation.

    In Dokus, in Fachbüchern, im Schulunterricht – Tiere werden uns fast immer von vorne, von der Seite oder von schräg oben gezeigt. Quasi nie von unten. Und ich frage mich: Warum eigentlich? Denn anatomisch ist da unten unfassbar viel zu entdecken. Die Beine, die Füße, die Greifwerkzeuge, die Gelenkkonstruktionen – die Natur hat sich Sachen ausgedacht, an denen Ingenieure noch heute knabbern.

    Ich fand Biologie schon immer spannend. Und plötzlich kann ich diese Faszination mit anderen Menschen teilen, einfach indem ich eine Glasplatte aufstelle und sage: Schau mal her.

    Drei Begegnungen, die ich nie vergesse

    1. Der Skorpion, der sich als Männchen outete

    Großer Asiaskorpion von unten – Männchen erkennbar am Kammorgan
    Triggerwarnung - Skorpion Klicke, um das Bild zu sehen

    Großer Asiaskorpion von unten – die kammartige Struktur in der Mitte ist für die Geschlechtsbestimmung Gold wert.

    Auf der ANIMAL in Stuttgart 2025 lernte ich die Menschen der Vogelspinnen IG Esslingen kennen. Ein paar Stunden später standen sie an meinem Stand mit einem Großen Asiaskorpion in der Hand. „Den könnten wir doch mal schnell mitnehmen."

    Was dann passierte, hatte ich nicht erwartet. Sobald der Skorpion auf der Glasplatte stand und das erste Bild auf dem Schirm erschien, sagte einer der Halter: „Aaaah, jetzt sehen wir es genau – das ist ein Männchen!"

    Ich: „Wie, woran?"

    „An dem Kamm in der Mitte. Sieht man nur von unten."

    Ich stand da, lernte gerade Skorpion-Anatomie, und gleichzeitig hatte ich vermutlich eines der wenigen Studio-Bilder Deutschlands geschossen, auf dem ein Asiaskorpion-Männchen klar als solches erkennbar ist. Genau für solche Momente mache ich diesen Job.

    2. Tauben am gedeckten Tisch

    Taklataube und Stadttaube von unten gemeinsam beim Fressen auf der Glasplatte

    Das ungewöhnliche Pärchen von Graue Kobolde Taubenhilfe: eine Taklataube und eine Stadttaube, gemeinsam am gedeckten Tisch.

    Auf einer Messe in Emden traf ich die liebe Anni von Graue Kobolde – Taubenhilfe mit Herz e.V. Sie brachte mir zwei ihrer Schützlinge vorbei – ein außergewöhnliches Pärchen: eine Taklataube und eine Stadttaube, die im echten Leben unzertrennlich sind. Plötzlich standen die beiden gemeinsam auf einer Glasplatte und fragten sich vermutlich, was zur Henne hier los ist.

    Tauben sind, wie viele Vogelarten, anatomisch nicht dafür gebaut, einfach mal nach unten zu schauen. Was tun? Wir bestachen sie. Mit Futter, ausgebreitet wie ein gedeckter Tisch, mitten auf der Glasplatte. Das Ergebnis: zwei Tauben, die einträchtig nebeneinander dinierten und sich gegenseitig kein bisschen aus der Ruhe brachten – und damit das Foto möglich machten. Es ist eines meiner Lieblings-Bilder für ein "Wir gehören zusammen"-Gefühl im Tierreich.

    Beim Tierschutzverein Mainz und ihrem Kleintierhaus klappte derselbe Trick wunderbar mit den Hühnern. Die fanden die Tafel ausgesprochen einladend. Eine Warzenente, die ebenfalls dabei war, blieb dagegen stoisch ungerührt – sie durfte wieder ihrer Wege gehen, in Würde und mit gewahrtem Stolz.

    3. Das Chamäleon und die fliegende Zophoba

    Jemenchamäleon von unten beim Schnappen einer Zophoba

    Mein bisheriger Lieblings-Schnappschuss: Jemenchamäleon im Moment, in dem es eine Zophoba erwischt. Mit freundlicher Genehmigung von Helena Spindler von gesundepfoten.com.

    Wenn ich aus all den Bildern eines aussuchen müsste, das meine Arbeit erzählt, dann ist es dieses hier.

    Bei Helena Spindler von gesundepfoten.com in Hochheim am Main war ich im April 2026 zu Gast. Wir hatten ein Jemenchamäleon vor der Linse und – mein heimlicher Lieblingsmoment – wir warteten ganz gezielt darauf, dass es eine der Zophoba-Larven schnappt.

    Als der Auslöser fiel, wusste ich sofort: das ist es. Anatomie der Zunge in voller Auflösung, das volle Action-Drama, der Fokus genau im richtigen Tausendstel. So nah kommst du als Mensch normalerweise nicht an einen Jagdinstinkt heran, der seit Millionen Jahren funktioniert.

    Die kleinen Wunder – Wenn das Tier kleiner ist als das Objektiv

    Tausendfüßler von unten fotografiert auf Glasplatte

    Bei kleinen Tieren ändert sich technisch wenig – die Glasplatte bleibt gleich, das Licht bleibt gleich. Ich zoome einfach näher ran.

    Tausendfüßler. Stabschrecken. Pandaasseln. Madagaskar-Fauchschaben. Wenn ich solche Tiere fotografiere, ändert sich am Setup erstaunlich wenig: gleiche Glasplatte, gleiches Licht, gleiche Geduld. Ich zoome nur mit dem Objektiv näher ran. Das war's.

    Bei einer Assel kürzlich kam ich allerdings an meine Grenze. Sie war für meinen aktuellen Technikstand schlicht zu klein. Aber – und das ist meine Lieblingssache an diesem Beruf – ich arbeite bereits daran. In Zukunft sollen auch Mini-Modelle vor meine Linse passen. Es wartet ja noch eine ganze Welt da draußen, die ich noch nicht ablichten konnte.

    Mäuse haben Knubbel

    Maus von unten fotografiert mit sichtbaren Tastballen an den Pfoten

    Sechs winzige Tastballen pro Pfote – die Mäusefüße der Falknerei Feldberg waren eine echte Aha-Lektion.

    Bei der Falknerei Feldberg (auch auf Instagram zu finden) hatte ich kürzlich Mäuse und Ratten auf der Glasplatte. Was ich da entdeckte, hatte ich vorher nie wirklich wahrgenommen: Die kleinen Knubbel an den Mäusefüßen.

    Das sind keine Zufallsformen. Das sind Tastballen – sechs winzige, hochempfindliche Polster pro Pfote. Zwei größere an den Außenrändern, vier kleinere zwischen den Zehen. Sie sind voll mit Mechanorezeptoren und helfen Mäusen, kleinste Vibrationen zu spüren, präzise zu greifen und an glatten Oberflächen zu klettern. Was bei uns Menschen die Fingerkuppen erledigen, machen bei Mäusen diese Mini-Kissen.

    Genau für solche Aha-Momente lieb ich diese Arbeit. Ohne die Glasplatte hätte ich diese Knubbel vermutlich nie bewusst gesehen – und du jetzt auch nicht.

    Tierwohl ist die rote Linie

    Eines möchte ich ganz klar sagen, weil mich das Thema oft erreicht: Bei mir kommt Tierwohl immer zuerst. Vor jedem Bild, vor jedem Auftrag, vor jedem schönen Schnappschuss.

    Was das konkret heißt:

    • Die Tiere kommen immer mit ihren Menschen. Ich positioniere und behandle keine Exoten selbst – das machen ihre Halter:innen, Pfleger:innen oder Züchter:innen. Diese Menschen kennen ihr Tier, wissen, was es verträgt, und wissen, wann Schluss ist.
    • Die Shootings sind kurz. Bei Exoten oft nur wenige Sekunden. Glasplatte hin, Bild gemacht, Tier wieder runter.
    • Blitzlicht ist unschädlich. Das hab ich vielfach abklären lassen, dazu hab ich auch einen ausführlichen Blogartikel über Blitzlicht und Epilepsie geschrieben.
    • Ich breche ab, wenn ein Tier gestresst ist. Punkt. Wenn ich merke, dass ein Tier wirklich nicht möchte, und der Halter das einfach billig in Kauf nimmt – dann ist das Shooting zu Ende. Es gibt kein Bild der Welt, das es wert wäre, ein Tier zu quälen.

    Im Reptilium Landau, dem größten Reptilienzoo Deutschlands, bei dem ich Anfang des Jahres zu Gast sein durfte, haben wir genau so gearbeitet: nur Tiere, die zahm sind und mit einer ungewohnten Umgebung außerhalb ihres Terrariums kein Problem haben. Alle anderen blieben, wo sie waren. Und gut so.

    Ein riesiges Dankeschön

    Ohne diese Menschen und Vereine gäbe es diesen Artikel nicht. Sie haben mir Türen geöffnet, ihre Tiere anvertraut, ihre Expertise geteilt – und meine Begeisterung verstanden.

    Wenn du selbst zu dieser Liste gehörst und ich dich vergessen habe – schreib mir, ich ergänze sofort. Ich bin so dankbar für jede einzelne Person, die diese Reise mitgemacht hat.

    Was kommt: Mein Studio in Dresden Nickern

    Etwas Schönes baut sich gerade auf: Ein festes Fotostudio in Dresden Nickern.

    Auf jeder Messe höre ich seit Jahren dieselbe Frage: „Sandy, kommst du auch mal in unsere Nähe? Oder können wir einfach zu dir nach Dresden kommen?" Bisher musste ich immer abwinken. Damit ist jetzt Schluss.

    Dresden ist eine wunderschöne Stadt – die Elbwiesen, die Heide, die Sächsische Schweiz direkt vor der Tür. Viele Menschen verbinden ihren Besuch sowieso mit einem verlängerten Wochenende oder einem kleinen Urlaub. Warum nicht ein Fotoshooting noch dranhängen?

    Das Studio ist theoretisch schon nutzbar. Ich richte es gerade hübsch ein. Die offizielle Eröffnung wird im Juli 2026 sein – aber Termine nach Absprache nehme ich schon jetzt an. (Sofern ich nicht grade irgendwo zwischen Bologna und Rostock auf einer Messe stehe.)

    Meine Bucket-List der nächsten Tiere

    Was kommt, ist immer das Spannendste. Hier mein ganz persönlicher Wunschzettel an exotischen und besonderen Tieren, die ich unbedingt noch von unten fotografieren möchte:

    • 🐾 Einen Löwen. Mein Nachname ist Löwe – das ist quasi Pflicht. Und Löwen sind seit ich denken kann meine Lieblingstiere.
    • 🐾 Einen Luchs. Mein liebstes einheimisches Tier. So schön, so scheu, so faszinierend gebaut.
    • 🐾 Eine weiße Gans. Stolz, elegant, mit Persönlichkeit. Will ich.
    • 🐾 Einen Pinguin. Diese Füße. Diese Bauchpartie. Allein der Gedanke!
    • 🐾 Ein Alpaka. Weil: Alpaka.
    • 🐾 Erdmännchen und Kängurus. Fertig.

    Das sind nur die offensichtlichen. Tatsächlich sehe ich Tiere mittlerweile mit komplett anderen Augen – ich sehe in jedem Tier sofort, wie es von unten aussehen würde. Dackel, Schaf, Ziege, Adler, Forelle, Lurch... Mein Ziel ist es, irgendwann alle Tiere von unten zu fotografieren. Mal schauen, wie weit ich komme.

    Du hast ein besonderes Tier?

    Wenn du jetzt liest und denkst „Mein Tier müsste sie unbedingt mal sehen" – dann melde dich. Wirklich.

    Ich suche fortlaufend nach neuen Tierarten und Rassen. Egal ob Privathalter, Züchter, Auffangstation oder Tierpark: Schreib mir gern über mein Kontaktformular. Beschreib kurz, was du für ein Tier hast und wo ihr ansässig seid.

    Wichtig dabei – damit das gut wird für alle:

    • Dein Tier muss aus seiner gewohnten Umgebung kommen können, ohne dass das Stress bedeutet.
    • Du als Halter:in entscheidest über das Tier, nie ich.
    • Wenn du zweifelst, ob es dein Tier verträgt: lieber Nein sagen. Das respektiere ich zu 100%.

    Und für alle, die schon lange auf einen Termin warten und in der Nähe von Dresden sind: Das Studio in Nickern wartet. Schreib mir, wir finden einen Termin.

    Eine letzte Sache

    Was mich an diesem Job wirklich trägt, ist nicht die Technik. Nicht die Ausrüstung. Nicht mal die Bilder selbst.

    Es ist das Lächeln in den Augen der Menschen, das ich jedes Mal wieder sehe, wenn ihr Tier auf dem Bildschirm erscheint. Ich darf eine kindliche Faszination zurückholen, die viele Erwachsene irgendwo verlegt haben. Diese Augen, mit denen wir früher vor einem Schmetterling gehockt haben. Vor einem Regenwurm. Vor einer Schnecke. Einfach hingeguckt, einfach gestaunt.

    Wenn ich mit meinen Bildern auch nur einen Funken davon zurückbringen kann, dann hat sich der ganze Aufwand gelohnt. Und ich habe den schönsten Beruf der Welt.

    Bis bald irgendwo zwischen Halle 4, einer Falknerei und einem Studio in Dresden,
    eure Sandy

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