Löst Blitzlicht Epilepsie beim Hund aus? Ein Mythos-Check

December 12, 20254 min read

„Sandy, mein Hund hat Epilepsie. Darf er überhaupt geblitzt werden?“
Diese Frage bekomme ich oft gestellt. Und ich verstehe sie zu 100%. Wenn man liebt, will man schützen. Wer einmal miterlebt hat, wie das eigene Tier krampft, will absolut jedes Risiko vermeiden.

Doch oft führen Ängste dazu, dass wir uns und unseren Hunden schöne Erlebnisse verwehren, obwohl sie eigentlich sicher wären.
Heute schauen wir uns das Thema Blitzlicht & Epilepsie beim Hund einmal wissenschaftlich fundiert an – damit du weißt, woran du bist.

Collage

Kurz erklärt: Was ist Epilepsie – und was nicht?

Bevor wir über Blitze reden, lass uns kurz klären, was im Kopf deines Hundes passiert. Denn nicht jeder Krampfanfall bedeutet sofort lebenslange Epilepsie.

Man unterscheidet grob drei Gruppen:

  1. Reaktive Anfälle (Der "Ausrutscher"):
    Etwa 10–20% der Krampfanfälle sind gar keine Epilepsie im engeren Sinn, sondern eine einmalige Reaktion auf eine Vergiftung (z. B. Schneckenkorn, Schokolade), Unterzuckerung oder falsche Medikamente. Ist die Ursache behoben, krampft der Hund oft nie wieder.

    • Fazit: Wenn dein Hund vor 3 Jahren einmalig gekrampft hat und seither nie wieder, ist er vermutlich gar kein Epileptiker.

  2. Idiopathische Epilepsie (Die Häufigste):
    Bei der Mehrheit der chronischen Fälle (ca. 70–80%) findet man keine organische Ursache. Der Hund ist im MRT gesund, hat aber eine genetisch bedingte, niedrigere „Krampfschwelle“. Das betrifft oft Rassen wie Golden Retriever, Labrador oder Beagle.

  3. Symptomatische Epilepsie (Die "Versteckte"):
    Hier ist der Anfall das Symptom einer anderen Grunderkrankung (z. B. Gehirntumor, Entzündung, alte Verletzung).

Wichtig für dich:
Egal zu welcher Gruppe dein Hund gehört – für die Frage „Darf mein Hund geblitzt werden?“ bleibt die Antwort die gleiche. Denn der Auslöser ist die Krankheit selbst (Genetik oder Organik), nicht das Licht von außen.


Der Mythos: „Blitzlichtgewitter macht krank“

Lass uns direkt mit dem größten Irrtum aufräumen, den mir Kritiker manchmal vorwerfen:
Ein Fotoshooting kann keine Epilepsie verursachen.

Es hält sich das Gerücht, Blitzlicht könnte einen gesunden Hund „krank machen“. Das ist medizinisch falsch.

  • Keine Ursache: Licht kann keine Gene verändern. Ein gesundes Gehirn hat Schutzmechanismen, die visuelle Reize filtern.

  • Zufall ist nicht gleich Ursache: Sollte ein Hund zufällig kurz nach einem Shooting seinen allerersten Anfall bekommen, war die Krankheit bereits in ihm angelegt. Das Licht war nicht der Erzeuger der Krankheit.


Aber was ist mit Hunden, die schon Epilepsie haben?

Beagle von Unten

Hier kommt die Entwarnung für dich als Besitzer. Wir kennen die Warnung „Vorsicht bei Flackerlicht“ aus der Disco oder von Videospielen. Aber Hunde sind keine Menschen.

1. Kein Stroboskop-Effekt

Gefährlich ist bei der sogenannten photosensitiven Epilepsie meist rhythmisches Flackern (ca. 15–25 Blitze pro Sekunde), das das Gehirn in einen Takt zwingt.
Mein Studioblitz ist ein Einzel-Impuls. Selbst wenn wir viele Fotos machen, liegen zwischen den Blitzen Sekunden. Das Gehirn hat genug Zeit, sich zu „beruhigen“. Es entsteht kein gefährlicher Rhythmus.

2. Wissenschaftliche Fakten

Echte Licht-Epilepsie ist bei Hunden extrem selten. Sie ist fast nur bei einer sehr spezifischen Mutation (z. B. bei manchen Rhodesian Ridgebacks mit JME) bekannt. Bei der großen Mehrheit der „Epi-Hunde“ spielt Licht als Auslöser keine Rolle.

3. Der Gewitter-Vergleich

Reagiert dein Hund auf Gewitter? Viele tun das. Aber Studien zeigen: Es sind meist nicht die Lichtblitze am Himmel, sondern der abfallende Luftdruck und die elektrische Spannung in der Luft, die Stress auslösen.
Wenn dein Hund also bei einem lautlosen Wetterleuchten am Fenster entspannt bleibt, wird ihn auch ein kontrollierter Studioblitz nicht triggern.


Wann passieren Anfälle wirklich? (Die Ruhe-Regel)

Brauner Labrador von Unten

Das überrascht viele meiner Kunden am meisten: Die meisten Anfälle passieren nicht bei „Action“, sondern in der Ruhe.

  • Im Schlaf

  • Beim Dösen auf dem Sofa

  • Kurz nach dem Aufwachen

Im Fotostudio hingegen ist dein Hund wach und fokussiert. Er arbeitet mit mir, er schaut nach Leckerlis. Sein Gehirn ist im aktiven Arbeitsmodus – rein neurologisch betrachtet ist das oft eine sehr stabile Phase.


Fazit: Dein Hund darf Star sein (mit einer Regel)

Wenn es ein Risiko gibt, dann ist es fast nie der Blitz, sondern Stress. Deshalb gilt bei mir die wichtigste Regel: Du bist der Experte.

Du kennst deinen Hund am besten. Wenn du weißt, dass er medikamentös gut eingestellt ist und heute einen guten Tag hat, steht dem Shooting nichts im Wege.
Wir machen langsam. Wir machen Pausen. Und wir sorgen dafür, dass dein Hund Spaß hat – denn positive Aufregung ist etwas ganz anderes als negativer Stress.

Trau dich. Dein Hund ist besonders – und genau deshalb hat er es verdient, auch auf besonderen Bildern festgehalten zu werden.

(Hinweis: Dieser Artikel basiert auf fundierter Recherche und Erfahrung, ersetzt aber keinen tierärztlichen Rat. Bei spezifischen medizinischen Fragen sprich bitte immer vorab mit deinem Tierarzt.)

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